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Vom Richterheim zum Hotel Aurachhof

Fast jeder bayerische Richter, Staatsanwalt und Notar wird einmal auf einer Tagung im „Richterheim“ in Fischbachau gewesen sein.

Die Geschichte des Richterheims in Fischbachau ist untrennbar mit der Person des Staatsrats Dr. Hermann Schmitt verbunden. Die Richterheime wurden von ihm in den Jahren nach dem 1. Weltkrieg gegründet. Es war die Zeit der immer rascher fortschreitenden Inflation und damit einher –gehender großer Not weiter Bevölkerungskreise. Die Not der damaligen Jahre machte auch vor den Beamten und insbesondere den Richtern und Staatsanwälten nicht halt. Gerade in den Kreisen der Beamten wirkte sich die wirtschaftliche Not in wahrhaft besorgniserregender Weise aus. Viele der Beamten waren kaum mehr in der Lage, die notwendigen Ausgaben des täglichen Lebens zu bestreiten. Erholungsreisen in den Ferien waren gänzlich undenkbar. In einer noch schlechteren Situation befanden sich die Hinterbliebenen der Beamten.

Diese materielle Not führte zu ausgeprägtem Materialismus und Egoismus in der Beamtenschaft. Die Orientierung an ideellen Werten, Zusammengehörigkeit des Berufsstandes und Kollegialität schwand zusehends. Für den damaligen Amtschef im Bayer. Staatsministerium der Justiz, Herrn Ministerialdirektor und späteren Staatsrat Dr. Hermann Schmitt, war das Anlass, über die Gründung von Erholungsheimen für Richter und Staatsanwälte nachzudenken. Es gelang ihm, auch die bayerischen Notare für diese Idee zu begeistern. Am 11.11.1921 konnte Staatsrat Dr. Hermann Schmitt die Gesellschaft „Erholungsheim Bayern“ als GmbH gründen. Diese Gesellschaft sollte Rechtsträgerin der Richterheime werden. Gesellschafter waren der Bayerische Richterverein und der Bayerische Notarverein.

Bereits am 30.12.1921 wurde in Bad Aibling die Pension „Wilhelmsbad“ erworben und kurze Zeit darauf, am 6.2.1922, das „Fremdenheim zum Breitenstein“ in Fischbachau gekauft. Das „Fremdenheim zum Breitenstein“ war ein kleines, einstöckiges Gebäude, das im Jahre 1913 erbaut worden war und 48 Gästebetten enthielt.

Nach kleineren Umbauten wurden die beiden Richterheime bereits am 1.4.1922 für die Gäste geöffnet. Der Zuspruch war so stark, dass die beiden Erholungsheime ständig ausgebucht waren und vielen Interessenten abgesagt werden musste. Die Begeisterung für das Erholungsheim in Fischbachau veranlasste die Verantwortlichen, das Haus umgehend auszubauen.

Sukzessive wurde die Zahl der Gästezimmer von 43 auf 75 Zimmer ausgebaut und eine Kapazität von 125 Gästebetten erreicht. Im Rahmen des Ausbaus dieses Erholungsheimes wurden erhebliche Aufwendungen für Grundstücksankäufe zur Anlage eines Parks getätigt. Auch die Parkanlage stellte sich zuerst etwas schwierig dar, da es sich um Sumpfwiesen handelte, die erst mühsam entwässert werden mussten.

Trotzdem wurden die Arbeiten intensiv weitergeführt und auch weitere Ausbauten wie der Anbau eines großen Speisesaals und der Bau einer Kegelbahn durchgeführt. Am 1.7.1928 konnte dann das erweiterte Heim von den Gästen bezogen werden. Ein Grunderwerb erfolgte allerdings nicht ganz freiwillig: Die Verantwortlichen des Erholungsheimes erfuhren, dass auf dem in nächster Nähe des Heimes gelegenen Sandbichlerberg eine holländische Gesellschaft eine Kalkwerkanlage errichten wollte. Wäre dies zur Ausführung gelangt, so hätte dieses Kalkwerk für das Erholungsheim und seine Umgebung geradezu existenzbedrohende Folgen gehabt. Um diese Gefahr zu bannen, wurde der gesamte in Frage stehende Grundbesitz als „Sperrgrundstück“ angekauft und damit ein eigener Hausberg erworben. Er trägt heute noch den Vornamen der Ehefrau des Staatsrats („Karolinenhöhe“).

Erwähnenswert ist, dass in diesen Jahren der Geschäftsführer der „Erholungsheim Bayern GmbH“ der damalige Landgerichtsrat im Bayer. Staatsministerium der Justiz und spätere Ministerpräsident Hans Ehard gewesen ist.

Unter der Schirmherrschaft von Dr. Frank errichteten dann im Oktober 1933 der Bayerische Richterverein und der Bayerische Notarverein, beide Vereine im Bund nationalsozialistischer deutscher Juristen, entsprechend dem Vorschlag von Staatsrat Dr. Schmitt eine öffentliche Stiftung, der die Gesellschaft „Erholungsheim Bayern“ die Richterheime und ihr übriges Vermögen übereignete.

Die Errichtung der Stiftung wurde mit Entschließung des Bayerischen Innenministers vom 20.10.1933 genehmigt und zugleich die unmittelbare und ausschließliche Aufsicht dem Bayerischen Justizminister übertragen. Ursprünglich sollte die Stiftung den Namen „Bayernheime“ bekommen. Dr. Frank wünschte aber, dass die Stiftung mit dem Namen des Gründers und unermüdlichen Betreuers der Heime verknüpft werden solle. Daher gab er der Stiftung den Namen „Staatsrat Hermann Schmitt Heime“. Die Stiftungsurkunde wurde am 16.10.1933 unterzeichnet. 

Die Kriegsauswirkungen gingen auch an dem Richterheim in Fischbachau nicht spurlos vorbei. Ab Oktober 1940 wurde das Heim z. T. für Um- oder Aussiedler benutzt. Vom Frühjahr 1942 bis zum Herbst 1942 wurde das Erholungsheim im Rahmen der Kinderlandverschickung benutzt. Ab Sommer 1943 wurde das gesamte Haus zu einer Zweigstelle des Münchener Krankenhauses „Rechts der Isar“ gemacht und blieb es bis zur Mitte des Jahres 1950.

Nach der Freigabe des Hauses im Sommer 1950 befand sich das Haus in einem sehr schlechten Zustand. Die Stiftung musste ihr Anwesen in Bad Aibling verkaufen, um die Renovierung des Richterheims in Fischbachau und die Wiedereröffnung im Sinne des Stiftungszwecks zu ermöglichen. Das Richterheim fand erneut erheblichen Anklang und erfreute sich in den 60er und 70er Jahren großer Beliebtheit. Leider gingen seit Mitte der 70er Jahre die Übernachtungszahlen von Erholungssuchenden in Fischbachau zurück.

Im Zuge des geänderten Urlaubsverhaltens war die Stiftung gezwungen, eine grundlegende Umgestaltung des Hauses vorzunehmen. Zunächst wurden die Gästezimmer auf einen modernen Standard mit Dusche und WC gebracht. Mitte der 80er Jahre wurde ein weiterer großer Neubau geschaffen und ein Tagungsgebäude in das Anwesen in Fischbachau eingefügt.  In diesen Jahren vollzog sich der Wandel vom „Richterheim“ zum modernen Tagungshotel „Aurachhof“.